Kehre vor Deiner eigenen Tür….

…. diesen Satz könnte ich am Tag 8392 Mal benutzen. Das wir auf einem Dorf wohnen ist kein Geheimnis und das die Menschen hier mehr darauf acht geben was andere tun und lassen wohl auch nicht. Das jüngste Ereignis geschah am Muttertag. Wie konnte ich denn auch nur direkt am Muttertag Wäsche in meinem Garten aufhängen? MUTTERTAG! DA TUT MAN NICHTS! Sprach die Nachbarin mit strafenden Blick und unterschwelligen Ton. Mein Kontersatz, dass mein Haushalt keinen Feiertag kennt konnte sie nicht ganz verdauen und tappelte davon. Vielleicht sollte ich nochmal ernsthaft mit meiner Dreckwäsche reden. Ein Gespräch mit dem Geschirrspüler verlief eher suboptimal und das Essen war einfach zu bockig um sich selber zu kochen. Da mache ich wohl irgendetwas anders als Frau Nachbarin.

Aber das ist mal wieder ein Paradebeispiel für obige Überschrift. Es kann ihnen doch egal sein und wenn ich nackt durch den Garten renne und Biene Maja singe. Es ist mein Leben und mein Garten. Guckt weg, wenn es Euch nicht passt.

Nächste Situation war vorgestern. Eine mir leider lang bekannte Mutter sagt auch mit obigen unterschwelligen Ton: Ihr seid aber nur am muckeln und werkeln. Na klar. Oder macht sich bei Euch irgendwas von alleine? Der Garten muss nun mal gepflegt werden. Und da wir letztes Jahr Ende Sommer erst hier eingezogen sind natürlich mehr als sonst. Und ganz ehrlich, wenn wir jeden Tag mähen, zupfen, buddeln oder bauen, dann tun wir das eben so.

Was sollen diese unterschwelligen Töne? Warum tun Menschen das? Wenn ich durch unser Dorf gehe, komme ich nicht einmal auf solche Gedanken. Das einzige was mir im Kopf rumgeistert ist dann: Ohhh was für eine tolle Blume, die brauch ich auch. Oder: Das ist ja eine nette Deko, wo gibt es die? Wenn Menschen draußen sind , dann gibt es ein freundliches Hallo und keine unterschwelligen Töne was, warum sie wie machen.

Leben und Leben lassen! Denkt mal drüber nach! Ist viel harmonischer

Rasenmäher Saison 2018

Die ersten Krokusse ( ist das die Mehrzahl von Krokuss?) … Ok nochmal…

Die ersten Schneeglöckchen sprießen aus dem Boden. Die Sonne schaut immer öfter ums Eck und auch das Dorf erwacht langsam zum Leben. Bald heißt es wieder Schnack an der Mauer, Rasenmäher-Wett-Mähen und Kettensäge vs. Rasentrimmer.

Dorfbewohner haben so einen eigene inneren Zeitplan. Unbewusst und nicht mit ganz großer Sicherheit nicht abgesprochen. Ich beobachte das nun schon einige Jahre. Nachbar Links1 fängt an zu mähen. Samstag Vormittag 10 Uhr. Meine Gedanken schweifen nun als zu einem ruhigen Nachmittag und dem Plan vielleicht auch gleich zu mähen, während der Links1 ja eh schon Krach macht. Also ab an Mäher und los. Zeitgleich fertig. Einen Kaffee gezaubert und die Sonne genossen hört man ein lautes Geräusch. Nachbar Links2 hat sich wohl anstecken lassen und schiebt seinen kleinen ganz bequem über seinen Rasen. Über seinen 20qm Rasen…. 1 Stunde lang… vor und zurück… und quer. OK. Hilft ja nichts. Dann halt später den Vögeln zuhören. Also tut man andere Dinge um sich dann eine Stunde später…. Wieder nichts. Nachbar Vornelinks muss sein Pupertier samt Maschine auf den Rasen scheuchen. Das man mit ca 15 Jahren wenig begeistert von der Aktion ist hört man. Hört man tatsächlich, denn es ist egal ob Wurzel oder Stein ehrlich wenn sie könnte selbst Hauswand alles wird gnadenlos übermäht. Das hat nicht nur zur Folge das der Lärm Pegel extrem laut ist, nein auch der Rasenmäher mag das im Allgemeinen nicht. Also Zwangspause. Papa muss reparieren. Nächster zaghafter Versuch von meiner Seite, das mit dem Kaffee und so. Und es klappt tatsächlich. Leicht erschrocken schauen ich zu Nachbar Vorne1 . Eigentlich wäre doch nun sein Einsatz dran. Es war die letzten Jahre auch so. Aber nein. Nun düst dort ein Mährobotor von Abends bis Morgens lang mäht. Leise, unkoordiniert und irgendwie bin ich fasziniert. Tolles Ding. Während ich nun also den kleinen Robotor beim flitzen zusehe schmeisst Nachbar Vorne2 seinen Mäher an und ich bin doch ein wenig glücklich drüber das Geräusch zuhören. Ein Geräusch was zum Samstag im Dorf, im Sommer dazu gehört. Wo kommen wir denn da hin, wenn alle einen Mähroboter haben. Vertraute Geräusche wären weg, ein Stück mehr Dorfleben wäre weg und ein wenig mehr Hightec da. Finde ich blöd! Ein Hoch auf die Rasenmäher und die Saison 2018!

Willkommen auf dem Dorf

Auf dem Dorf wo Tiere leben. Tiere die Laute von sich geben. Tiere die vielleicht ab und an auch mal groß und klein müssen. Tiere die was zu fressen brauchen. Und damit sie das können gibt es einen Bauern, der seine Felder hegt und pflegt und diverses anderes damit tut. Damit er das damit machen kann braucht er vielleicht auch einen Trecker. Ok, mit der Hand und manuell wäre wahrscheinlich leiser, aber deutlich anstregender und auch nicht so effektiv. Damit die Pflanzen, welche nicht nur dem Futter der Tiere dienen, sondern auch dem Futter für uns, also damit diese Pflanzen nun überhaupt in die Erde kommen können, muss gepflügt werden. Aber hey, wieso nicht mit einem Pferd und Pflug dahinter. So wie damals und soooo leise. Und überhaupt war Früher doch alles besser. Nehmen wir also mal an, der Bauer würde tatsächlich so wie Früher alles per Hand erledigen. Nehmen wir mal an keiner hätte einen Trecker oder andere Dinge, die außer die Tiere Krach machen. Was glaubt ihr denn wieviel Sorten Brot ihr dann noch in Eurem Billig Discounter kaufen könnt? Was glaubt ihr was dann ein Liter Milch kosten wird und wieviel verschiedene Käsesorten es geben würde?! Da ist nämlich das Problem. Jeder möchte die Auswahl zwischen 2348327 Sorten Käse, jeder möchte beim Aldi um die Ecke sein billig Brot und jeder möchte Ruhe. Es gibt Ausnahmen, das weiß ich, aber sprechen wir hier doch mal von der Mehrheit dieser tollen Gesellschaft. Über die, die sich aufregen, wenn der Bauer Gülle fährt. Über die, die sich aufregen, wenn die Kuh morgens um 6 ein Muh von sich gibt. Über die, die sich aufregen, wenn Ende Sommer die Ernte eingebracht werden muss. Über die, die einfach 0 Toleranz und Rücksichtnahme kennen.

Hier bei uns auf dem 900 Seelen Dorf fahren gefühlt das ganze Jahr Trecker und tun Dinge. Bauern Dinge. Ich habe mich noch nie davon gestört gefühlt. Meistens raten wir anhand des Geräusch des Treckers, welcher Bauer gleich vorbei düst. Oder machen uns eine Spaß daraus, wenn Bauer F. mal wieder gefühlte 784 Silageballen durchs Dorf schiebt. Oder wenn der Mähdrescher Ende des Sommers lustig Piep wie oft er das noch tut, bevor er das Feld zu Ende gemäht hat. Diese Dinge würden mir alle fehlen. Dinge die zum Leben dazu gehören. Dinge die Kinderaugen glücklich macht. Dinge die dir sagen welchen Jahreszeit naht. Dinge die obige Menschen einfach nicht sehen und sehen wollen.
Ich mag es, wenn das Schaf mäh macht. Man mäht zurück. Vielleicht ergibt sich ein Gespräch. Ich mag es, wenn die Schwiegerkühe auf ein Rufen mit Muh antworten. Wenn sie angelaufen kommen und das vielleicht auch nur um ein Brötchen abzustauben. Diese großen ruhigen Tiere. Niemand kann das nachempfinden, der es nicht selber erlebt hat und das Leben auf dem Dorf akzeptiert.

Warum ich diesen Artikel schreiben? Ich bin vor ein Tagen auf ein Video aufmerksam geworden. Durch die Sendung „Die Büffelranch“ sind wir damals auf sie aufmerksam geworden.
Hof Barslund

Verdammt symphatisch und ehrlich. Wer sich das erwähnte Video mal ansehen mag
Link zum Video KLICK
Dem ist auch absolut nicht mehr hinzufügen! Absolut nichts.

Leider ist das Problem was er beschreibt kein Einzelfall und nicht nur auf die Landwirtschaft anwendbar. Es ist ein allgemeines Problem, dass die Menschen erst meckern und nicht mal Ahnung haben warum. Und in den wenigsten Fällen darüber nachdenken, was wir eigentlich den Bauern zu verdanken haben. Was uns fehlen würde, wenn wir sie nicht hätten. Und das wichtigste ist, dass diese Menschen einen verdammt harten Job hinlegen. Ohne geregelte Arbeitszeiten und geregelten Festlohn. Ohne schlecht Wetter und ohne Hitzefrei. Denk einfach mal drüber nach, bevor ihr Euch das nächste Mal aufregt über das ganz normale Dorfleben und zieht in die Stadt.